Warum Geschichten?

Wir sind umgeben von Geschichten. Einen großen Teil unserer Entscheidungen fällen wir auf der Grundlage von Informationen und Emotionen, die wir aus Geschichten gewonnen haben: Eine Freundin erzählte über ihre schlechte Erfahrung mit einer Servicehotline. Sie erinnern sich, wie sie dort anrief und ewig “Bitte warten” hören musste. Oder Sie haben davon gelesen, wie jemand die Lebensqualität in einer Vorstadt pries, wo die Miete niedrig und die tägliche Fahrt zur Arbeit machbar sei. Also fangen Sie an, darüber nachzudenken.

Geschichten wie diese beeinflussen unsere Entscheidungen. Dies ist auch der Grund, warum Reklame solch eine Bedeutung hat. Ein Werbespot ist wie eine kompakte Geschichte.

Aber nicht alle Geschichten setzen etwas in Bewegung. In ihrem Buch Was bleibt (im Original: Made To Stick) versuchen die Autoren Chip und Dan Heath herauszufinden, warum einige Geschichten in unserer Erinnerung hängen bleiben oder sogar ihren Weg um die Welt antreten, während andere schnell verfliegen.

Geschichten für ein besseres Myanmar

Wir sind begeistert von der Idee, die Welt durch Geschichten (und nicht mit Waffen) zu verändern. Es ist nicht ganz abwegig, dies auch zum Nutzen von Myanmar (Birma) zu versuchen. Das Projekt Storytravelers zeigt uns eine beeindruckende Möglichkeit, wie das Erzählen von Geschichten dazu verwendet werden kann, um eine Art des Reisens zu fördern, die offen ist für die versteckte Details.

Aber, so ließe sich einwenden, sind diese Informationen denn zuverlässig und repräsentativ? Laufen wir so nicht Gefahr, auf diese Weise die einseitigen Eindrücke von Touristen zu bestätigen, die sie in Luxushotels, auf traumhaften Stränden und auf Golfplätzen gewonnen haben? Wir müssen ganz sicherlich ihre Geschichten durch diejenigen von Einheimischen ergänzen und kontrastieren – von Einheimischen, die hinter die Kulissen blicken und die unabhängig, selbstbewusst und geschützt genug sind, um ganz offen darüber sprechen zu können. Wir haben uns daher entschieden, beide Aspekte Seite an Seite zu präsentieren: die Vorder- und die Rückseite der Kulissen.

Was macht eine gute Geschichte aus?

Also haben wir versucht, das Konzept von Was bleibt an unsere Bedürfnisse anzupassen. Und dies ist dabei heraus gekommen:

1. Wahrheit

Die Geschichte muss wirklich passiert sein.

2. Schlichtheit

Die Geschichte darf keine überflüssigen Extras enthalten.

3. Anschaulichkeit

Die Geschichte muss uns das Unbekannte sichtbar werden lassen.

4. Emotionen

Die Geschichte muss von Menschen handeln.

5. Ungewöhnlichkeit

Die Geschichte muss etwas erzählen, was wir nicht alle Tage erleben.

 

Es handelt sich natürlich nur um eine Orientierungshilfe. Falls wir eine gute Geschichte erhalten, die diese Kriterien widerlegt, dann wird uns nichts anderes übrig bleiben, als noch mal am Konzept zu feilen.

Insbesondere wenn ein birmanischer Autor eine Geschichte in Reaktion auf den Bericht eines Reisenden schreibt – oder umgekehrt – so wird es sich natürlich zumeist eher um eine Auflistung von Fakten handeln als um eine persönliche Erfahrung.

 

Genug Theorie?

Lesen Sie, was unsere Autoren daraus gemacht haben.

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Fotos: racoles (top), slideshow: antwerpenR (1), digitaldemocracy (4), Rusty Stewart (3, 5)