Reisen oder nicht reisen?

Es gibt keine ‘richtige’ Antwort auf die Frage, ob man mit gutem Gewissen nach Myanmar reisen kann oder nicht. Wir versuchen hier darum statt einer Antwort genügend Informationen anzubieten, die Ihnen helfen, eine fundierte eigene Entscheidung zu treffen.

Entscheiden Sie sich so, wie es für Sie und die Menschen in Myanmar am besten ist.

 

Die Gründe, warum man nicht nach Myanmar reisen soll, sind allgemein bekannt, und die negativen Auswirkungen lassen sich schlechterdings nicht vermeiden. Es ist praktisch unmöglich, das Land zu besuchen, ohne das Regime in irgendeiner Form zu unterstützen. Hier finden sich weitere Informationen dazu.

 

 

Haben die Menschen in Myanmar nicht auch einen Nutzen aus dem Tourismus?

Der ‘Trickle-Down’-Effekt

Verfechter von Tourismus nach Myanmar sagen, dass das Geld der Besucher schließlich zu den Menschen durchsickern wird und so den allgemeinen Lebensstandard der Birmanen verbessert. Das würde dann indirekt auch anderen Bereichen wie etwa Ausbildung und Gesundheit helfen.

Die Frage jedoch bleibt bestehen, ob durch diesen Effekt alle Teile der Bevölkerung erreicht werden können. Es ist schließlich nicht nur so, dass die ethnischen Minderheiten in den entfernteren Teilen des Landes kaum eine Chance haben, aus dem in Myanmars touristischen Zentren generierten Wohlstand einen Nutzen zu ziehen. Die Vergangenheit hat uns zudem gezeigt, dass jede positive Entwicklung tendenziell auf eine begrenzte ethnische Gruppe – die Bama – und auf die gut ausgebildete urbane Bevölkerung begrenzt bleibt. Simples demokratisches Engagement dagegen führt zumeist zum Ausschluss der Akteure.

Zudem lehrt die Erfahrung, dass viele ausländische Investitionen, die ins Land strömen, letztendlich doch wieder auf ausländischen Konten enden. Ein systematisches Abfließen der Einkünfte ins Ausland würde wahrscheinlich auch den Nutzen aus Tourismus in Myanmar beeinträchtigen.

Unterstützung von Kleinstunternehmen

Obwohl ein Besuch in Myanmar immer dazu führt, dass ein bestimmter Anteil an das Regime geht, bietet er aber auch die Gelegenheit, Kleinstunternehmen und Familienbetriebe zu unterstützen und zu helfen, den Lebensunterhalt von Einheimischen zu sichern. Letztendlich werden diese Menschen, deren täglicher Bedarf gedeckt ist, auch eher in der Lage sein, sich für eine gesellschaftliche Verbesserungen einzusetzen.

Beidseitiger Kontakt

Nach Myanmar zu gehen und Einheimische zu treffen ermöglicht einen Informationsaustausch in beide Richtungen. Wenn die Reisenden dann zuhause über ihre Reise und die Menschen, die sie getroffen haben, erzählen, so hilft dies, die Allgemeinbildung über das Land zu verbessern und die Notwendigkeit von Veränderungen zu verstehen.

Moralische Unterstützung

Neben dem gegenseitigen Informationsaustausch kann ein ausländischer Reisender in Myanmar immer auch moralische Unterstützung leisten. Die Einheimischen erfahren, dass wir an ihren Schicksalen interessiert sind und mehr über die Situation im Land erfahren wollen. Zu wissen, dass sie nicht vergessen wurden, kann für die Menschen in Myanmar eine wichtige Ermutigung darstellen.

Dauerhafte Sensibilisierung des Problembewusstseins

Nicht weniger wichtig als die Reise ist das, was nach ihr passiert. Es ist zu hoffen, dass ein Aufenthalt in Myanmar ein bleibendes Interesse hinterlässt und zu einer Unterstützung seiner Zivilgesellschaft, gemeinnütziger Organisationen und Flüchtlinge führt. Ein Abend im Kreis von Familie und Freunden, auf dem man Fotos zeigt und Erinnerungen Revue passieren lässt, ist eine gute Gelegenheit, um auch die unsichtbaren Probleme von Myanmar zu erwähnen und die Zuhörer zum Helfen zu bewegen.

 

Ob man nach Myanmar geht oder nicht ist somit nicht einfach eine Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet wird, sondern ganz wesentlich vom Wie abhängt. So haben Individualreisen gewöhnlich ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis als Pauschalreisen. Wenn Sie sich also entschließen zu reisen, dann lesen Sie bitte hier unsere Ratschläge.

 

Fest entschlossen zu reisen?

Lesen Sie das 1x1 des verantwortungsvollen Reisens.

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Fotos: christine zenino (child), -Andrew- (bridge), Yodod (women)